Skip to content
1833

An die Sonne

Emanuel Geibel

Wieder steigt der Nebel, wieder Strömt ins Tal der Regen nieder, Das sich grau und freudlos dehnt. Bist du ganz denn mir im Norden

Treulos worden, Du, nach der mein Herz sich sehnt? Die du doch zu tausend Malen Liebevoll mit deinen Strahlen

Mich wie eine Braut umfingst Und mir still des Liedes Blüte Im Gemüte Wecktest, wenn du kamst und gingst.

Fast bedünkt es mich, man raubte Dir dein Goldgelock vom Haupte Samt der Krone von Rubin, Und nun wallst du, hohe Sonne,

Eine Nonne, Nur im Schleier noch dahin. Ach, und kaum in diesem blassen Zwielicht weiß ich's mehr zu fassen,

Wie du einst so jung und schön Mir in göttergleichem Prangen Aufgegangen Über Delos' Felsenhöhn.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An die Sonne · Emanuel Geibel · Poetry Cove