Skip to content
1833

5.

Emanuel Geibel

In diesen Frühlingstagen, da genesen Das Herz nicht will vom süßen Sehnsuchtsleid, Wie spricht, was einst bei Platon ich gelesen, Vertraut mich an aus dunkler Fabel Kleid!

Geschaffen, schreibt er, ward als Doppelwesen Der Mensch dereinst im Anbeginn der Zeit, Bis ihn ein Gott, weil er nicht Schuld gemieden, In seine Teile, Mann und Weib, geschieden.

Ein heilig Rätsel deutet mir dies Wort; Wer fühlt' es nie, daß Bruchstück nur sein Leben, Ein Ton, nur angeschlagen, zum Akkord Mit seinem Gegenton sich zu verweben?

Wir all' sind Hälften, ach, die fort und fort Nach den verlornen Zwillingshälften streben, Und dieses Suchens Leid im Weltgetriebe – Wir heißen's Sehnsucht und das Finden Liebe.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
5. · Emanuel Geibel · Poetry Cove