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1833

15.

Emanuel Geibel

Beim Mondesuntergange Erglänzt wie Gold das Meer, Schwarz blickt mit schroffem Hange Leukadias Felsen her.

Da taucht mir tief im Sinne Gleichwie aus Dämmerflor Von Sapphos wilder Minne Die alte Mär empor.

Dem Volke der Hellenen Sang sie zum erstenmal Die eifersücht'gen Tränen Verlorner Liebesqual.

Noch leben jene Gluten, Die tönend sie durchwühlt, Bis sie in diesen Fluten Ihr brennend Herz gekühlt.

Und oft bei Nacht dort oben, Wenn hoch die Wolken gehn, Das Haupt vom Kranz umwoben Sieht sie der Schiffer stehn.

Gespenstisch weht ihr Schleier, Und überm Wogendrang Im Winde schwebt zur Leier Sehnsüchtig ihr Gesang:

„Schon senkt der Mond sich trübe, Die Mitternacht bricht ein; Mein Herz vergeht vor Liebe, Und weh, ich bin allein!“

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