Skip to content
1833

1.

Emanuel Geibel

Du willst in meiner Seele lesen Und still mein bestes Teil empfahn; So schau' mein unvergänglich Wesen Im Spiegel meiner Lieder an.

Ich bin die Weise, die dich rühret, Ich bin das Wort, das zu dir spricht, Der Hauch, den deine Seele spüret, Ich bin's – und dennoch bin ich's nicht.

Denn sieh, noch oft mit heißem Ringen Durch Schuld und Trübsal irrt mein Gang, Doch drüber zieht auf reinen Schwingen Die ew'ge Sehnsucht als Gesang.

So stürmt der Bach in dunkeln Wogen Zum Abgrund, drein er sich begräbt, Indes der siebenfarb'ge Bogen Verklärend überm Sturze schwebt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
1. · Emanuel Geibel · Poetry Cove