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1843

Vor der Fahrt

Ferdinand Freiligrath

Jenseits der grauen Wasserwüste Wie liegt die Zukunft winkend da! Eine grüne, lachende Küste, Ein geahndet Amerika!

Ein geahndet Amerika! Und ob auch hoch die Wasser springen, Ob auch Sandbank uns droht und Riff: Ein erprobt und verwegen Schiff

Wird die Mut'gen hinüberbringen! O tapfer Fahrzeug! Ohne Schwanken Befährt es dreist die zorn'ge Flut! Schwarz die Masten und schwarz die Planken,

Und die Wimpel sind rot wie Blut! Und die Wimpel sind rot wie Blut! Die Segel braun von Dampf und Feuer; Vom Verdeck herab ihren Blitz

Sprühn Gewehre, sprüht das Geschütz, Und das blanke Schwert ist sein Steuer! So fährt es aus zu seinen Reisen, So trägt es Männer in den Streit: –

Mit den Helden haben die Weisen Seine dunkeln Borde geweiht! Seine dunkeln Borde geweiht! Ha, wie Kosciusko dreist es führte!

Ha, wie Washington es gelenkt! Lafayettes und Franklins denkt, Und wer sonst seine Flammen schürte! Ihr fragt erstaunt: Wie mag es heißen?

Die Antwort ist mit festem Ton: Wie in Österreich so in Preußen Heißt das Schiff: „Revolution!“ Heißt das Schiff: „Revolution!“

Es ist die einz'ge richt'ge Fähre – Drum in See, und kapre den Staat, Die verfaulte schnöde Galeere! Doch erst, bei schmetternden Drommeten,

Noch eine zweite wilde Schlacht! Schwarzer Brander, schleudre Raketen In der Kirche scheinheil'ge Jacht! In der Kirche scheinheil'ge Jacht!

Auf des Besitzes Silberflotten Richte kühn der Kanonen Schlund! Auf des Meeres rottigem Grund Laßt der Habsucht Schätze verrotten!

O stolzer Tag, wenn solche Siege Das Schiff des Volkes sich erstritt! Wenn, zu Boden segelnd die Lüge, Zum ersehnten Gestad' es glitt!

Zum ersehnten Gestad' es glitt! Zum grünen Strand der neuen Erde, Wo die Freiheit herrscht und das Recht, Wo kein Armer stöhnt und kein Knecht,

Wo sich selber Hirt ist die Herde! Wo nur der Eintracht Fahnen wehen, Wo uns kein Hader mehr zerstückt! Wo der Mensch von der Menschheit Höhen

Unenterbt durch die Schöpfung blickt! Unenterbt durch die Schöpfung blickt! O neue Welt, nach Sturm und Fehde Wie erquickt uns bald deine Ruh'!

Alle Herzen pochen dir zu – – Und der Brander liegt auf der Reede!

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