Ihr Alle, mein’ ich, habt gehört von jenem seltnen
Eispalast!
Auf der gefrornen Newafluth aufstarrte der gefrorne
Glast!
Dem Willen einer Kaiserin, der Laune dienend
einer Frau,
Scholl’ über Scholle stand er da, gediegen Eis der
ganze Bau!
Um seine blanken Fensterreih’n, um seine Giebel
pfiff es kalt:
Doch innen hat ihn Frühlingsweh’n und hat ihn
Blumenhauch durchwallt!
Allüberall, wohin man schritt, Musik und Giran-
dolenglanz,
Und durch der Säle bunte Flucht bewegte wirbelnd
sich der Tanz!
Also, bis in den März hinein, war seine Herr-
lichkeit zu schau’n;
Doch — auch in Rußland kommt der Lenz, und
auch der Newa Blöcke thau’n!
Hui, wie bei’m ersten Sturm aus Süd der ganze
schimmernde Koloß
Hohl in sich selbst zusammen sank, und häuptlings
in die Fluthen schoß!
Die Fluthen aber jauchzten auf! Ja, die der Frost
in Bande schlug,
Die gestern eine Hofburg noch und eines Hofes
Unsinn trug,
Die es noch gestern schweigend litt, daß man ihr
auflud Pomp und Staat,
Daß eine üpp’ge Kaiserin hoffärtig sie mit Füßen
trat: —
Dieselbe Newa jauchzt’ empor! Abwärts mit brau-
sendem Erguß,
Abwärts durch Schnee und Schollenwerk schob sich
und drängte sich der Fluß!
Die letzten Spuren seiner Schmach malmt’ er und
knirscht’ er kurz und klein —
Und strömte groß und ruhig dann in’s ewig freie
Meer hinein!