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1810–1876

Freie Presse .

Ferdinand Freiligrath

Festen Tons zu seinen Leuten spricht der Herr der Druckerei: „morgen, wißt ihr, soll es losgeh’n, und zum Schießen braucht man Blei!

Wohl, wir haben unsre Schriften: — Morgen in die Reih’n getreten! Heute Munition gegossen aus metall’nen Alpha- beten!

„hier die Formen, hier die Tiegel! auch die Kohlen facht’ ich an! Und die Pforten sind verrammelt, daß uns Nie- mand stören kann!

An die Arbeit denn, ihr Herren! Alle, die ihr setzt und preßt! Helft mir auf die Beine bringen dieses Freiheits- manifest!“

Spricht’s, und wirft die ersten Lettern in den Tiegel frischer Hand. Von der Hitze bald geschmolzen, brodeln Perl und Diamant;

Brodeln Colonel und Corpus; hier Antiqua, dort Fraktur Werfen radikale Blasen, dreist umgehend die Censur.

Dampfend in die Kugelformen zischt die glüh’nde Masse dann: — So die ganze lange Herbstnacht schaffen diese zwanzig Mann;

Athmen rüstig in die Kohlen; schüren, schmelzen unverdrossen, Bis in runde, blanke Kugeln Schrift und Zeug sie umgegossen!

Wohl verpackt in grauen Beuteln liegt der Vorrath an der Erde, Fertig, daß er mit der Frühe brühwarm ausge- geben werde!

Eine dreiste Morgenzeitung! Wahrlich, gleich beherzt und kühn Sah man keine noch entschwirren dieser alten Offizin!

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