Paris hat Ball: hin durch der Gassen Enge Braust rasselnd der Karossen bunte Menge, Die Quai’s entlang, entlang die Tuillerien, Ein rastlos Jagen und Vorüberfliehn.
Halloh, die Peitsche knallt, die Rosse dampfen, Schon dröhnt „La Gr Stampfen, Und jetzt ein kurzes „Halt!“ — hell glänzt
das Ziel, Der prächtge Ballsaal des H Rings Fackelglanz; die Nacht ist lichter Tag, Betresste Diener springen an den Schlag,
Leis knistert auf der steingehaunen Treppe Der Atlasschuh, es rauscht die Seidenschleppe, Der Mantel fällt, und jetzt in luftgem Shawl, Selbst luftig, schwebt die Schönheit in den Saal.
Drin wogt es schon; auf Klängen der Musik Wiegt sich der Glanz der neuen Republik: Die Abenteurer und die Schleppenträger, Die Vettern all und all die Stellenjäger
(auf deren Brust das Kreuz der Ehre blitzt, Weil nichts von Ehre drin im Herzen sitzt) All sind sie da, und leichter schwebt ihr Fuß, Trifft sie des Kaiserneffen flüchtger Gruß.
Der Kaiserneffe aber, klanglos hin Zieht heut der Töne Macht an seinem Sinn, Sein Aug’ ist todt rings für den Blumenflor, Nach
Von wo herab im Purpur, goldgestickt, Des Kaisers Bild auf ihn herniederblickt. Das Kaiserbild! traun in das Festgebraus Aus seinem goldnen Rahmen tritt’s heraus,
Ein tiefer Ernst umschattet sein Gesicht, Der Kronendurstge aber sieht es nicht, Er sieht nur wie der Goldreif blinkt und blitzt, Der auf der Stirne des Allmächtgen sitzt,
Er sieht das Scepter nur der halben Welt, Das Jener spielend fast in Händen hält, Und zitternd nach des Glückes gleicher Huld, Ruft er sich selber zu: „Geduld, Geduld!“
So aber denken nicht die schlanken Schönen, Die leicht hin schweben auf den leichten Tönen, Mit Blüthen sind die Blühenden geschmückt, Wie wenn man Rosen noch auf Rosen drückt,
Und schier als wär’ die Gabe zu genießen Selbst nur ein stundenkurzes Blüthensprießen, So jagt man hin, voll fieberhafter Hast, In ewger Furcht, die Stunde sei verpasst.
Ich tanze nicht; — im Durst nach Luft und Frische Tret’ ich seitab in eines Fensters Nische, Und hinter mir jetzt all den Saus und Braus,
Blick’ ich, aufathmend, in die Nacht hinaus. Die lagert draußen schwarz und schwer und dicht, Mit Eifersucht-umfinstertem Gesicht,
Und in des Saales Glanz und Pracht und Schein, Starrt wie der Tod in’s Leben sie herein. Doch lauter immer wird das laute Treiben, Fest drück’ die Stirn ich an die feuchten
Scheiben, Da ist es mir, als ob mein Ohr es träf’: „kennst Du den Platz da draus? kennst Du „la Gr
La Gr Und nächtge That vor meine Seele rief; La Gr Der Freiheit Zerrbild aus der Taufe hob;
La Gr Wenn mal auf mal das Beil herniederfuhr; La Gr Daß es — ein Strom sich in den Strom ergoß.
Und mir im Rücken jetzt erbraust es wilder, Vor meinen Augen aber, Schattenbilder Der Greuel all, die ringsumher geschehn, Läßt mich die Nacht in ihrem Spiegel sehn.
Horch! Weiberstimmen durch die Lüfte kreischen; Da sind sie selbst; — in Wollust zu zerfleischen, Hat ihres Fleisches Wollust sich verkehrt, — Blut heißt jetzt was die Sinnlichkeit begehrt.
Manch Eine trägt den Säugling an der Brust, Doch nirgends einer Mutter stille Lust; Mit aufgelöstem Haar, halbnackt die Leiber, So ziehn vorbei mir die Versailler Weiber.
Cookies on Poetry Cove