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1819–1898

Der Wenersee.

Theodor Fontane

Mit dem Meergott kämpften heißer die Giganten einst, denn je: Siegreich, aus des Nordmeers Armen, rissen sie den Wenersee,

Bauten, zwischen Sohn und Vater, einen länder- breiten Damm, Stellten vor das Thor, als Wächter, einen ganzen Felsenkamm.

Oft erfasst den See ein Zittern tiefer Sehnsucht, und er lauscht, Wenn’s, gleich fernem Meeresbrausen, in den Tannengipfeln rauscht,

Beim Geheul der Wölfe wähnt er, daß die Winds- braut nahe sei, Und im heisren Lied des Hähers hört er nur der Möve Schrei.

Frühling wird’s, und dreißig Ströme zahlen plötzlich ihm Tribut, Dreißig Ströme, die sonst meerwärts nieder- stürzten ihre Fluth,

Mit der Wasser Steigen steigt auch das Gefühl ihm seiner Kraft, Und dem Freiheitsdrang gesellt sich jetzt der Zorn ob seiner Haft.

Hoch schon überragt der Spiegel seiner Fluth den Riesendamm, Zwischen ihm und seiner Heimath hebt sich nur der Felsenkamm,

Da in siegessichrem Muthe, ruft er: „Vater, meine Hand Streck’ ich Dir noch heut entgegen durch das felsbewachte Land.“

Und der dreißig Ströme jeden schleudert er als Wurfgeschoß Auf den Wächter, und zertrümmert Haupt und Glieder dem Koloß,

Den gewalt’gen Rumpf des Felsens überschäumt sein Wasserschwall, Und zum ersten Mal, zur Tiefe donnert der Trolhätta-Fall.

In dem Riesendamme wühlt er sich mit leichter Müh ein Bett, Und das Meer kommt ihm entgegen, und sie graben um die Wett’,

Jauchzend reichen Sohn und Vater zum Will- kommen sich die Hand, Felsenglieder, wie Trophäen, decken rings um- her das Land.

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