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1819–1898

An Emilie .

Theodor Fontane

Da draußen schneit es: Schneegeflimmer Wies heute mir den Weg zu Dir; Eintret’ ich in Dein traulich Zimmer, Und warm an’s Herze fliegst Du mir —

Abschüttl’ ich jetzt die Winterflocken, Abschüttl’ ich hinterdrein die Welt, — Nur leise noch von Schlittenglocken Ein ferner Klang herübergellt.

Nun ist es still; nun laß uns kosen: Du legst Dein Haupt auf meinen Schooß, Ich aber knüpf’ in leichtem, losen Getändel Dir die Flechten los.

Du zürnst; warum? Du glaubst zu müssen, Und schwörst: „nie wieder einen Kuß!“ Da weiß ich, daß ich rasch mit Küssen Die krause Stirn Dir glätten muß.

„nun aber komm, nun laß uns plaudern Vom eignen Herd, von Hof und Haus!“ Da baust Du lachend, ohne Zaudern, Bis unter’s Dach die Zukunft aus;

Du hängst an meines Zimmers Wände All meine Lieblingsschilderein, — Ich seh’s und streck danach die Hände, Als müss’ es wahr und wirklich sein.

So flieht des Abends schöne Stunde, Vom fernen Thurm tönt’s Mitternacht, Die Mutter schläft, in stiller Runde Nur noch die Wanduhr pickt und wacht.

„ade, mein Lieb!“ von warmen Lippen Ein Kuß noch, — dann in Nacht hinein: Klippen, Nur Steurer muß die Liebe sein.“

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