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1819–1898

5.

Theodor Fontane

Von Gästen wimmelt Hof und Halle, Aus Küch’ und Keller lärmt es laut, Bei Gläserklang und Liederschalle Trinkt man das Wohl der jungen Braut.

Schon an der Festestafel oben, Gestützt auf ihres Gatten Arm, Hat Sittah lächelnd sich erhoben, Und grüßt der Gäste lauten Schwarm; —

Da plötzlich schallen wilde Töne Im Hofe drunten am Portal, Und Lieder der Zigeunersöhne Ziehn durch den hochzeitlichen Saal.

Sie tönen lauter schon — und wilder Saust in der Luft das Tambourin, Da treten halbvergeßne Bilder Auf’s Neu vor Sittah’s Seele hin.

Sie ruht, wie sonst in tiefen Schluchten Und hört dem Waldesrauschen zu, Sie blickt, auf’s Neu, von Felsenbuchten Auf Meeressturm und Meeresruh;

Sie schaut der Abendröthe Streifen, An denen einst ihr Auge hing, Und möchte wieder danach greifen, Wie Kinder nach dem Schmetterling.

Sie hört des Birkhuhns Kreischen wieder, Sie sieht das Irrlicht wieder glühn, Das längs der Haide, auf und nieder, Unstät wie sie, zu wandern schien;

Sie möchte wieder, wieder wandern So weit die Himmel Gottes blaun, Auf’s Neu, von einem Tag zum andern, Mit ihren Brüdern Hütten baun. —

Da, allgemach, erstirbt die Weise, Und glühend, ohne Blick und Wort, Schleicht Sittah aus dem Saal und leise Sich von des Gatten Seite fort.

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