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1819–1898

2.

Theodor Fontane

Und über’s Dorf ging Jahr um Jahr, Aufschoß manch schlanke Tanne, Sie aber, die „Schön-Anne“ war, Heißt lang nun „Mutter Anne“;

Jetzt, wenn im Krug brav Tänzer sind, Geht schon der schönen Anne Im Sonntagsschmuck zu Tanze. Was weint die Mutter Anne so,

Und stützt den Kopf in Sorgen? Schlägt ihr das Mutterherz nicht froh An jedem neuen Morgen? Die Tochter kommt vom Tanz nach Haus,

Die Mutter spricht: „bliebst lange aus, Kind, halte Dich in Ehren!“ Die Tochter zieht ein schnippsch Gesicht, Und spricht: „laß mich nur machen!

Ich dächt, ich hielt’ auf Ehr und Pflicht, Und — kann mich selbst bewachen; Und wenn ich leicht und locker wär’, Es käm wohl nicht von ungefähr,

Hat alles seine Gründe. „du sagst mir oft, mein Vater sei Vor Jahren schon gestorben, Doch hat mir manche Neckerei

Den Glauben dran verdorben; Wohl schuld ich dieses Leben Dir, Doch, weiß es Gott, oft wünsch ich mir, Ich wäre nicht geboren.“

Sie spricht’s, ihr schwarzes Auge glüht, Die Thür ist zugeflogen, Und um die letzte Hoffnung sieht Arm-Anne sich betrogen;

Sie seufzt: „das also ist der Lohn, Um den ich allen Spott und Hohn Mein Lebelang getragen!“ Dann aber betet sie bewegt:

„gott, es ist mein Verschulden! Was uns Dein Wille auferlegt Geziemet uns zu dulden; — Entsagen kann die wahre Lieb',

Es war die Und bitter muß ich’s büßen.“

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