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1819–1898

2.

Theodor Fontane

Manch Jahr, in immer schnellrer Flucht, Ist hin in’s Land gegangen, Längst hält der Graf, in Sitt’ und Zucht, Ein jung Gemahl umfangen;

In ihrem Aug’ ist andres nicht Wie Lieb und Treu zu schauen, Doch keinem Engelsangesicht Vermöcht er zu vertrauen.

Er schläft: — auffährt er aus dem Traum, Er bebt an Seel’ und Leibe, Todblaß, die Füße wollen kaum, Schleicht er zu seinem Weibe;

Er lauscht, und als er vor ihr steht, Was hört er? Ihr Träumen war ein fromm Gebet, Vernehmlich sprach sie: Amen!

Er reitet einsam in den Wald, Und sinnt, und — muß erbleichen: Er drückt dem Renner allsobald Die Sporen in die Weichen,

Er fliegt Im Wettlauf mit dem Winde, — Und findet — spielend vor dem Schloß, Sein Weib mit seinem Kinde.

Oft läßt er selbst, auf seinen Knien, Den hübschen Blondkopf schaukeln, Bis plötzlich tolle Bilder ihn, Wie hergeweht, umgaukeln:

Des Kindes Augen sind so blau, Und schwarz sind doch die seinen, — Er stößt es fort, und murmelt rauh: „was kümmert mich sein Weinen?“

Einst als sein Roß, im Walde draus Gar alten Weg genommen, Ist an des Försters stillem Haus Der Graf vorbeigekommen;

Er sprach: „die Treu ist keine Mähr’; — Ich hab ihr Band zerrissen, Nun treibt mich ruhelos umher Ein strafendes Gewissen.“

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