Manch Jahr, in immer schnellrer Flucht,
Ist hin in’s Land gegangen,
Längst hält der Graf, in Sitt’ und Zucht,
Ein jung Gemahl umfangen;
In ihrem Aug’ ist andres nicht
Wie Lieb und Treu zu schauen,
Doch keinem Engelsangesicht
Vermöcht er zu vertrauen.
Er schläft: — auffährt er aus dem Traum,
Er bebt an Seel’ und Leibe,
Todblaß, die Füße wollen kaum,
Schleicht er zu seinem Weibe;
Er lauscht, und als er vor ihr steht,
Was hört er?
Ihr Träumen war ein fromm Gebet,
Vernehmlich sprach sie: Amen!
Er reitet einsam in den Wald,
Und sinnt, und — muß erbleichen:
Er drückt dem Renner allsobald
Die Sporen in die Weichen,
Er fliegt
Im Wettlauf mit dem Winde, —
Und findet — spielend vor dem Schloß,
Sein Weib mit seinem Kinde.
Oft läßt er selbst, auf seinen Knien,
Den hübschen Blondkopf schaukeln,
Bis plötzlich tolle Bilder ihn,
Wie hergeweht, umgaukeln:
Des Kindes Augen sind so blau,
Und schwarz sind doch die seinen, —
Er stößt es fort, und murmelt rauh:
„was kümmert mich sein Weinen?“
Einst als sein Roß, im Walde draus
Gar alten Weg genommen,
Ist an des Försters stillem Haus
Der Graf vorbeigekommen;
Er sprach: „die Treu ist keine Mähr’; —
Ich hab ihr Band zerrissen,
Nun treibt mich ruhelos umher
Ein strafendes Gewissen.“