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1819–1898

1.

Theodor Fontane

In England wüthen zwei Tyrannen: Der König Jacob und die Pest, Und Jener immer raft von dannen, Was diese noch am Leben läßt.

Gesetz und Recht — des Volkes Pathen Sind jedes Höflings Spiel und Spott, Schon seufzen gilt als hochverrathen, Und führt zu Kerker und Schaffott.

Im Staube liegt die heilge Sache Des Volks, und bettelt vor dem Thron, Schon aber weben Haß und Rache Dein Siegeskleid — Revolution.

Schon schlummert Er in goldner Wiege, Deß Stirne jenen Stempel trägt, Den auf des Mordgeweihten Züge Von Jugend auf das Schicksal prägt;

Schon athmet Cromwell, schon allnachtens Tritt Englands Zukunft vor ihn hin, Und legt die Keime künftgen Trachtens In seinen ruhmbegiergen Sinn;

Schon graut der Tag, nur noch ein Kurzes So steigt die Sonne blutigroth, Doch für die Zeichen nahnden Sturzes Ist jede Fürstenseele todt.

An Jacobs Hof drückt ihren Stempel Die Lust noch auf jedwede Stirn, Noch ist sein Schloß ein Bacchustempel: Die Flasche gilt, es gilt die Dirn’;

Wohl rast die Pest, doch jedes Opfer Scheint nur zu rufen: „Frisch gelebt! Wer weiß es ob der Tod den Klopfer Nicht bald an Deiner Thüre hebt.“

Es ist, als ob das nahe Sterben Dem Leben tausend Reize leiht, Man jagt um seine Lust zu werben; Bei Hof ist Ball; schau, — scheint nicht eben

Die Schönheit selbst daher zu schweben? Wer anders kann sie sein die Schlanke, Zu der, wenn sie vorüberrauscht, Ein jeder Sinn sich und Gedanke

Hinneiget und gefangen lauscht! An ihrer Schönheit stumpft der Hohn. Mehr als ein König auf dem Thron, Wenn seine Blicke zornig irren,

Vermag Das bloße Flattern ihrer Locken Macht schon des Höflings Zunge stocken, Und selbst der Neid auf den sie späht,

Bewundert solche Majestät. Was ist’s, das bis in’s tiefste Herze Selbst das Geschmeiß am Hof durchbebt, Wenn anmuthvoll, mit leichtem Scherze,

Die Lady Essex näher schwebt! Ist es das junogleiche Haupt, Was jeder Brust den Athem raubt? Ist’s jener Tugend hoher Geist

Der selbst die Spötter schweigen heißt, Und Ehrfurcht auch von Der schier von allen Lastern strotzt? Wie oder ist es nur ein Grauen,

Das sich in alle Herzen bahnt, Weil man die finstren Mächte ahnt, Die ihr im Busen Hütten bauen? So ist’s! ein Ahnen flüstert leis:

All dieser Stolz ist Aetna-Eis, Ist Lüge, die zu leugnen strebt Die Lavagluth, die drunter lebt.

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