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1819–1898

1.

Theodor Fontane

Der junge Graf von Hohenstein War sonst kein Waidgeselle, Was hält sein Roß tagaus, tagein Jetzt an des Försters Schwelle?

Er trägt kein Hüfthorn um den Leib, — Was will der Graf erjagen? Ihr müßt des Försters junges Weib, Die schöne Gertrud fragen.

Die schöne Gertrud horcht gespannt Bei Dämmerschein, im Garten; Durch ihre Brust zieht, Hand in Hand, Ein Bangen und Erwarten;

Da schallt ein Huf, der Hund schlägt an, Sie spricht: „Gott, hab Erbarmen!“ Und eh sie weiter beten kann, Hält sie der Graf in Armen.

Er spricht: „nun halt’ es endlich mir, Was Du mir oft versprochen, Mir ist die Zeit seit Monden schier Auf Schnecken fortgekrochen;

Sprich nicht, auf’s Neue, hin und her Von Schwur, Altar und Treue, — Die Treu’ ist eine alte Mähr’, Und Schwachheit ist die Reue.“

Er spricht’s, und als die Nacht erscheint Da hat das Spiel ein Ende, Fortjagt der Graf, Schön-Gertrud weint, Und ringt die sündgen Hände;

Ihr Mann kehrt heim mit Gruß und Kuß, Wie Abschied er genommen, Sie heuchelt, weil sie heucheln muß, Und heißt ihn froh willkommen. —

Ein Jahr und wenig Tage sind’s, Der Graf zieht andre Fährte, Zur Taufe nur des Försterkinds ’nen Becher Wein er leerte.

Der Wein war nüchtern wie die Leut’, Und konnt ihn wenig laben, Nur mocht an Försters Vaterfreud’ Er

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