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1892

2. Einem Freunde

Cäsar Flaischlen

Es liegt etwas in der Luft, mein Freund, es liegt etwas in der Luft! Hörtst du den Wettersturm zur Nacht, wie's in den alten Eichen gekracht?

wie es die Fensterläden schlug und heulend im Kamin sich fing? Sahst du den Himmel heute früh, wie Blut so rot, brandfackelglüh?!

Es liegt etwas in der Luft, mein Freund, es liegt etwas in der Luft! Es ist eine seltsame Zeit, mein Freund, es ist eine seltsame Zeit!

ein immer toller Gehaste von Jahr zu Jahr! nichts soll mehr bleiben, wie es war! nichts soll im alten Gleis mehr gehn und ruhig, fest und sicher stehn!

Ein jeder redet und redet drein, und jeder will der Klügere sein! Der eine hofft dies, der andere das, und keiner aber weiß recht: was?!

Es ist eine seltsame Zeit, mein Freund, es ist eine seltsame Zeit! Und wie es gestalten sich wird, mein Freund, und wie es gestalten sich wird?

in welcher Richtung? in welchem Sinn? ob zu Verderben? ob zu Gewinn? Die Jungen haben es in der Hand ... die Jungen mit ihrem Jugendmut,

mit ihrem Glauben, mit ihrer Glut! und wenn sie furchtlos festen Blicks hinaussehn über ihr kleines Heut und über Parteigezänk und Neid ...

dann, glaub ich, gestaltet sich's gut, mein Freund, dann, glaub ich, gestaltet sich's gut!

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