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6.

Šams o'd-din Moḥammad Ḥāfeẓ

Der Wirthe Hausthor ward gescheuert Und ward gewaschen rein; Es sitzt der Greis davor und ladet So Alt als Jung hinein.

Zu seinem Dienst gegürtet, prangen Die Trinker aufgestellt; Er aber, der der Kron' entsagte, Hat im Gewölk sein Zelt.

Der Gläser Glanz und der Pocale Bedeckt des Mondes Licht, Und selbst den Lauf der Sonne hemmet Der Knaben Angesicht;

Der holde Trotz der süssen Schenken Und ihre Zänkerei Zerbricht den Zucker, knickt Jasmine Und schlägt die Laut' entzwei;

Die Glück'sbraut, trotz der tausend Reize, Holt dort im Kämmerlein Die Brauenschminke sich, und reibet In's Moschushaar sie ein;

Ein holder Engel der Erbarmung Ergreift der Wonne Glas, Und giesst auf Huris und auf Peris Der Hefe Rosennass.

Ich grüsste ihn, da sprach er also Mit lächelndem Gesicht: „Der du des Rausches Folgen fühltest, Betrunk'ner, armer Wicht!

Wer handelt je wie du gehandelt, Dem Muth und Einsicht fehlt? Du floh'st des Hauses Schatz, und bautest In Wüsten dir ein Zelt.

Die Gunst des wahren Glückes – fürcht' ich – Wird stets verwehrt dir sein, Denn, von dem eingeschlaff'nen Glücke Umarmet, schliefst du ein.“ –

Der Himmel selber lenkt den Zelter Des Schah Nŭssrētěddīn: Komm, sieh, es heben Engelshände Zart in den Bügel ihn.

Sich selbst zu adeln, hat die Weisheit, Der Nichts verborgen ist, Vom Himmelsthore seine Schwelle Schon hundertmal geküsst. –

Komm nun, Hafis, mit in die Schenke, Dort zeig' ich ungestört Dir tausend Reihen frommer Wünsche, Die Gott gewiss erhört.

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