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128.

Šams o'd-din Moḥammad Ḥāfeẓ

Wer ist's, der mir die Treue wahrt Dem Edelsinn zu Liebe, Ein Bischen Gutes mir erweist, Wenn ich auch Böses übe;

Bei Harfen- und bei Flötenton Zuerst den Freund mir kündet Und dann bei'm Weinpocale sich In Treue mir verbindet?

Am Holden, der mich tief gekränkt Und mir das Herz entzogen, Verzweifl' ich nicht; es wird vielleicht Sein Herz mir noch gewogen.

Ich sprach: „Den Knoten löste ich Noch nie von jenen Haaren.“ Er sprach: „Ich liess mit Diebeslist Sie gegen dich verfahren.“

Der rauhe Mann im woll'nen Kleid Vernahm noch nichts von Liebe; Erkläre ihm des Rausches Sinn, Weil er sonst nüchtern bliebe.

Mir unbekanntem Bettler kann Ein solcher Freund nicht passen: Mit Gassenzechern wird ein Fürst Nicht im Verborg'nen prassen.

Leicht kann mich jenes Ringelhaar Beleid'gen allerwegen: An Banden und an Ketten ist Dem Schelme nichts gelegen.

Gar zahlreich ist des Grames Heer: An's Glück will ich mich wenden, Und Fāchrĕddīn Abdūs-Sămēd Wird Trost im Grame spenden.

Vor Seinem ränkevollen Aug' Sollst du, Hafis, dich wahren; Ist jenes Haar doch, schwarz wie Nacht, In Listen sehr erfahren.

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