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109.

Šams o'd-din Moḥammad Ḥāfeẓ

Nirgends kann ich Freundschaft schauen: Wo die Freunde doch geblieben? Ging die Freundschaft denn zu Ende, Und wo blieben nur die Lieben?

Trüb erscheint der Quell des Lebens: Kömmt kein Chiser Glück zu künden? Farbe änderte die Rose: Was geschah den Frühlingswinden?

Niemand spricht von einem Freunde, Der ihm wäre treu geblieben: Lebt kein Mensch, der Dank empfände, Und wo weilen nur die Lieben?

Hingeschleudert in die Mitte Ward der Ball der Gunst und Ehre; Niemand naht dem Tummelplatze: Was geschah dem Reiterheere?

Hunderttausend Rosen blühen, Und kein Vogelruf will schallen: Was begegnete den Sprossern? Was geschah den Nachtigallen?

Nimmer spielt Sŏhrē; – die Laute Scheint den Flammen preisgegeben; Niemand hat mehr Lust am Rausche: Wo doch wohl die Trinker leben?

Freundestadt und Liebesscholle Hiess man ehmals diese Gauen: Ging die Liebe denn zu Ende, Und ist kein Monarch zu schauen?

Kein Rubin – schon sind es Jahre – Ward dem Schacht der Huld entnommen: Wo doch wohl die Gluth der Sonne, Wind und Regen hingekommen?

Die geheimen Wege Gottes Kennt kein Mensch, Hafis; drum schweige, Denn von wem willst du erfahren Was der Zeiten Schooss entsteige?

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