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102.

Šams o'd-din Moḥammad Ḥāfeẓ

Wenn Kranke, die da Wünsche nähren Und denen es an Kraft gebricht, Von dir mit Hohn behandelt werden, Erfüllst du nicht des Mitleid's Pflicht.

Von dir erfuhr ich keine Unbild; Missfällt dir selbst doch immerdar Was nicht als Glaubenspflicht erkannte Des Liebespfades greise Schaar.

Ganz gleichen sich, wenn Reinheit fehlte, Die Kába und das Götzenhaus: Wohnt Keuschheit nicht in einem Hause, So zieht daraus die Wohlfahrt aus.

So lang der Zaub'rer deines Auges Nicht Hilfe leiht dem Zauberwort, So lang auch glimmt der Liebe Fackel Nur immer matt und lichtlos fort.

Das Aug' erblinde, dessen Wasser Das Liebesfeuer nicht verzehrt, Und finster sei das Herz für immer, Das nicht das Licht der Liebe nährt!

Ich wurde erst durch deine Schönheit Mit meiner Lage ganz bekannt: Mag ich zu keiner Zeit entbehren Des Glückes hilfereiche Hand!

Erwarte nur vom Königsvogel Und seinem Schatten Glück für dich: Bei Krähen und bei Raben findet Des Glückes Fittich nimmer sich.

O schmäle nicht, wenn nur in Schenken Nach hohem Sinne ich gestrebt, Da – nach dem Worte meines Alten – Kein hoher Sinn in Klöstern lebt.

Hafis, betreibe stets das Wissen Und das was feine Sitte lehrt: Nicht ist, wem feine Sitte mangelt, Des Umgang's mit dem König werth.

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