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1876

In der Pferdebahn

Gustav Falke

In der Pferdebahn auf den weichen Kissen Hast du es dir bequem gemacht. Verschlissen, Mädchen, ist deine Tracht, Die dünnen Schuhe vorne zerrissen.

Und aus der Tasche Reckt die Flasche, Die leere, den Hals verwegen Nach deinen vornehmen Fahrkollegen.

Eine Dame zur Seite dir zieht ein wenig, Halbabgewandt, die Nase kraus. Du strömst den Duft der Armut aus Und der Arbeit, und rekelst müd und gähnig.

Es ist dein Betragen, Ehrlich zu sagen, Dein ungeniertes nicht passend, Gar zu plebejisch sich gehen lassend.

Aber was scheren dich die andern, Du bist zum Umfallen müde ja, Dem sanften Entschlummern verzweifelt nah. Zerstreut nur lässt du die Blicke wandern.

So liegt ein Kätzchen Auf behaglichem Plätzchen, Halb müd', halb lauernd blitzen Die Augen durch die Liderritzen.

Du junges Ding mit den weichen Gliedern, Der weißen Haut, fast durchsichtig zart, Bist du wohl auch von Katzenart? Das leise Spiel mit den Augenlidern

Macht mich betroffen, Und die Lippen, halb offen, Die schwellenden, zeigen die weißen Spitzzähnchen, als wie zum Beißen.

Der Judenjüngling dir gegenüber Mit dem lüsternen Blick, hätt' gerne gespielt Ein wenig mit dir. Schon lange schielt Er verstohlen, fast schämisch zu dir hinüber,

Wird was draus? Katz oder Maus? Hüte dich! Manche glaubt Katze Zu sein und bleibt als Maus auf dem Platze.

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