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1876

Fusswaschung

Gustav Falke

Welch Traum doch nur: Ich auf den Knien vor dir, Das Tuch bereit in halb erhobenen Händen, Und du den nackten weißen Kinderfuß, Die Rechte raffte leicht den Saum des Kleides,

Ganz ohne Scheu entgegenstreckend mir. Das liebe, blonde Köpfchen sanft geneigt, Mit unschuldsvollem, reinem Kinderlächeln. Und mit den großen grauen schönen Augen

Anleuchtend mich, mir in die Seele leuchtend, Als wolltest ein Geheimnis du erforschen. Und alles so naiv, so unbefangen, Ein traumbelebtes, holdes Heiligenbild,

Wie es die alten frommen Meister malten. Wie kam in meinen Schlaf nur dieser Traum? So rein, so keusch hätt' nie der Wachende Ein Wort, ein Bild gefunden für sein Lieben:

Zu deinen Füßen so in niedern Dienst, Wie nach des Herrn und Heiland hohem Vorbild Noch vor der Ärmsten heut' zur heiligen Zeit Der Christenheit geweihter Kronenträger

Den Scheitel neigt in selbstgewollter Demut. Verstehst du diesen Traum, verstehst ihn ganz, Der mich beglückt noch Tag und Tage lang Und mich erröten lässt in zarter Scham?

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