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1880

Die Welle

Gustav Falke

Wie die wolfgehetzten Schafe, ängsten Vor dem Nordsturm her die weißen Wellen, Oder wie ein Trupp von scheuen Hengsten, Die vorm Lasso durch die Steppe schnellen.

Nein, ein Rudel kommt von bangen Weibern, Die, gedrängt um ihre Königin, Sie beschützend mit den nackten Leibern, Fliehen vor dem kühnen Wiking hin.

Und in Mitten sie, die angstgejagte, Schamgequälte. In den eigenen Reichen, Wo der Räuber ihr zu trotzen wagte, Eine Flüchtige, sieht sie kein Entweichen.

Näher des Verhaßten Siegestrompeten, Ach, wohin, vor der gewissen Schmach? Lachend wird er in den Staub sie treten, Und ihr Todbett wird ihm Brautgemach.

Fort, nur fort! Mit starken Armen teilt sie Den betäubten Knäul der Dienerinnen. Unbehindert, freiren Fußes, eilt sie Weit voraus, als wär noch ein Entrinnen.

Doch der Jäger läßt das Wild nicht fahren, Schon berührt sein heißer Atem sie, Und an den entflochtenen feuchten Haaren Zerrt er die Erschöpfte in die Knie.

Schwanken. Stürzen. Zu des Starken Füßen Strecken kraftlos sich die schönen Glieder, Und er taumelt, seine Gier zu büßen, Auf die weichen Liebeskissen nieder.

Schrei der Scham. Ein purpurn Widerstreben. Herrenrecht und Sieg und Flammenbrust. Schande würgt ein königliches Leben, Und der Seufzer stirbt im Ach der Lust.

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