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1876

Auf dem Amboss

Gustav Falke

Auf einem Block von Eisen kalt Lag rücklings ich und festgeschnallt, Und neben mir die Sorge stand. Mit sehnigem Arm und harter Hand

Sie ihren schweren Hammer schwang, Ein knochig Weib mit welken Brüsten, Und an der Lippen bleichen Küsten Brach sich ein heiserer Gesang.

Daneben, hold wie Sonnenlicht, Die Liebe schwang im Händchen fein Ein blitzend golden Hämmerlein. Sie hatt' der Liebsten Angesicht,

Ihr braunblond Haar, den Küssemund, Den schlanken Leib, maifrisch, gesund, Die großen, grauen Augen, trug Ein erdbeerfarben Kleid, und schlug

Mit ihrem kleinen Hammer brav Aufs Herz mir. Jeder Schlag der traf. Und von den frischen Lippen klang Ein rührend süßer Kindersang.

Und wechselnd fielen Schlag auf Schlag Die beiden Hammer mir aufs Herz, Der hülflos ich gefesselt lag, Die Lippen biss und schrie vor Schmerz.

Bis unerträglich war die Qual. Ein Ruck! Hinklirrt der Kettenstahl. Der Sorge reiß' ich aus der Faust Den Eisenhammer. Niedersaust

Der angstgeführte, wuchtige Hieb Und trifft, o Gott, und trifft mein Lieb. Sie sinkt, sie seufzt – – – Vergieb! Vergieb!

Am Boden wein' ich bitterlich. Die Sorge aber weidet sich An meinem Schmerz mit kaltem Hohn Und hebt den schweren Hammer schon,

Schlag zu, schlag zu – – –.

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