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1912

Schöpfung

Gerrit Engelke

Nicht Raum, nicht Zeit, nur Nacht und Nacht. Nur Nacht, von Nacht noch überdacht. Ein trächtig Sausen wogend schwoll – Da! plötzlichgroß ein donnernd „Ich“! erscholl –

Da: Er! – Er saß in Nacht, Und Er – Er war die Nacht. Der Anfang war erwacht. Er saß im Anfangsnacht-Getreibe

Mit schwangerem Hirn und Leibe, Um Seinen Körper rauchte Schweiß. Ein helles Strahlen ging aus Seinem Kopf – Und wurde dicht und hell: zum Silber-Mond-Kreis,

Aus Seinen Augen fiel ein Lichtgetropf: Und irrte wirr im Dunkel: Sterngefunkel. Da scholl es wieder fürchterlich:

Das All-Gebär-Gebrüll: „Ich“! Da riß Er auf mit Händekrallen Seine Stirn: Und offen lag in Dampf: das rote Feuer-Hirn! Er riß ein Stück heraus:

Er ballte eine Kugel draus Und hielt das Glühen in die Nacht, Er hing es in den Braus: Die Sonne war erwacht!

Ein Glühgezisch, das Funken sprühte, Das heiß die schwere Nacht durchglühte, Daß Mond und jeder Stern verblühte Und alles Dunkel schwand.

Hochoben hing der Sonne-Brand. Da riß Er mit den Händekrallen Aus Seinem Leib das Alles-Herz! Schrie „Ich“! und „Ich“! in Dampf und Schmerz –

Und ließ es in die Tiefe fallen – Er ließ es in die Tiefe fallen Und setzte Seinen Fuß darauf. Und setzte Seinen Fuß auf diese Welt

Auf Seine, Seine Welt, Von Sonne überhellt. Zum Letzten rief er wieder „Ich“: Gedehnt und Gäterlich beschließend,

Als erster Wohlklang aus Ihm fließend, Und ließ ein Teilchen Zeugungs-Hirn aus Seiner Hand Tief abwärts fallen auf das neue, runde Land: Und da! und da: der Same quoll;

Ein Wesen, neues Wesen schwoll: Und stieg – und stand auf dem Geroll: – Der Mensch! der Mensch! der Mensch! Der sah den All-Gebärer nicht!

Er sah das Licht, nur Licht und Licht! Er hob ergriffen seine Hände hoch, Ein schäumend Stammeln seinem Mund entflog, Das große Leuchten bog

Seine Knie – Da brach aus seinem Munde jäh ein Sang: Voll Rausch, voll niegehörtem Urwelt-Klang: Vom wilden Leben hochgeschwellt:

Hinauf! Hinauf! Zum ersten Tag! Zum Ewig-Tag! Zum Tag der Welt.

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