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1904

Nachtgedanken

Gerrit Engelke

Die Straße ist nun fast schon tot – Vorüber klappt, tappt ein Schritt – Das Echo hastet hallend mit. Der träge Mond sieht dunstigrot

Auf grünes Gaslicht-Flimmern – Nun schlafen alle Menschen in den Zimmern. Die Straße ist nun hohl und tot – Die schwarze Schweigenacht hat sacht

Die Menschenstadt in schweren Schlaf gedrückt. Doch himmeloben wacht So sonderbar verrückt Der übernächtig träge Mond.

Die Stadt ist traurigtot – als wenn sie unbewohnt – Doch himmeloben glüht der Mond: Doch himmeloben glühen große Leben Über unsern dunstigdunklen Nachtschlaf-Sphären:

Ungeheure Stern-Schwärme schweben Prasseln, rasen, blitzen, und gebären Aus sich selber immer neue Funken: Millionen Sterne schweben, leben

Über unsrer toten Nacht. Himmeloben brechen Feuerfluten aus Vulkanen, Weltenkörper rasen krachend unermeßliche Bahnen. Sonnenkörper-Splitter irren trunken,

Zitternd, splitternd in den All-Orkanen – Und wir selbst –? Wir winzigkleinen Schläfer, Erstarrt im Stadtnacht-Schweigen:

Wir rollen, sollen mit im vollen Reigen! Wir liegen fest in Schlafes-Ketten, Bewegungslos, betäubt in unsern Betten, In enger Schiffskabine,

In nachterstarrtem schwarzem Wahn – Doch treibt und treibt die Erdenschiffs-Maschine In steter Rase-Reise, In unerfaßbar großem Kreise,

Uns durch den Weltraum-Ozean: Durch die Nacht.

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