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1912

Lokomotive

Gerrit Engelke

Da liegt das zwanzigmeterlange Tier, Die Dampfmaschine, Auf blankgeschliffener Schiene Voll heißer Wut und sprungbereiter Gier –

Da lauert, liegt das langgestreckte Eisen-Biest – Sieh da: wie Oel- und Wasserschweiß Wie Lebensblut, gefährlich heiß Ihm aus den Radgestängen: den offnen Weichen fließt.

Es liegt auf sechzehn roten Räder-Pranken, Wie fiebernd, langgeduckt zum Sprunge Und Fieberdampf stößt röchelnd aus den Flanken. Es kocht und kocht die Röhrenlunge –

Den ganzen Rumpf die Feuerkraft durchzittert, Er ächzt und siedet, zischt und hackt Im hastigen Dampf- und Eisentakt, – Dein Menschenwort wie nichts im Qualm zerflittert.

Das Schnauben wächst und wächst – Du stummer Mensch erschreckst – Du siehst die Wut aus allen Ritzen gähren – Der Kesselröhren-Atemdampf

Ist hochgewühlt auf sechzehn Atmosphären: Gewalt hat jetzt der heiße Krampf: Das Biest es brüllt, das Biest es brüllt, Der Führer ist in Dampf gehüllt –

Der Regulatorhebel steigt nach links: Der Eisen-Stier harrt dieses Winks!: Nun bafft vom Rauchrohr Kraftgeschnauf: Nun springt es auf! nun springt es auf!

Doch: Ruhig gleiten und kreisen auf endloser Schiene Die treibenden Räder hinaus auf dem blänkernden Band, Gemessen und massig die kraftangefüllte Maschine,

Der schleppende, stampfende Rumpf hinterher – Dahinter – ein dunkler – verschwimmender Punkt Darüber – zerflatternder – Qualm –

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