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1848

Lied der Säulenheiligen

Ludwig Eichrodt

Dreihundert Jahre wollen wir Uns Gott, so Gott will, weihen, Schon siebzig Jahre steh'n wir hier Auf Säulen hoch im Freien.

Wenn er uns Regenwetter schickt, Daß wir durchnässet triefen, Wir stehen heiter, unverrückt, Der Herr will uns nur prüfen.

Wenn er im Blitz und Schloßen kömmt, Uns donnert um die Ohren, Wir werden doch nicht weggeschwemmt, Wir haben keine Moren.

Wir essen nicht, wir trinken nicht, Wir sammeln nicht in Scheunen, Wir schlafen wie der Gänsericht Auf einem von den Beinen.

Wir büßen für die böse Welt Die eigenen Vergehen, Und ob auch Katzenhagel fällt, Wir lassen's halt geschehen.

O Herr, du lohnest uns einmal Im Jenseits unser Ringen, Wo wir entrückt der Erdenqual Dein Loblied endlos singen.

Wir bitten dich, o schlaf nicht ein Bei unsern langen Chören, Und lohne unsrer jetz'gen Pein Durch gnädiges Anhören.

Was haben Ander's angestrebt Die Kröten ohne Nahrung, Die über tausend Jahr' erlebt In steinerner Verwahrung?

Und Menschen, sollten sie nicht schon Soviel als Kröten können? Das sagen nur, die uns den Lohn Schändlicherweis mißgönnen!

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