Hochweiser Rath, geehrte Kollegen!
Bevor wir uns heut aufs Rathen legen
Bitt' ich erst reiflich zu erwägen:
Ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,
Heut sogleich mit dem Rathen beginnen,
Oder ob wir erst proponiren müssen,
Was uns versammelt und was wir alle wissen? —
Ich muß pfiichtmäßig voranschicken hierbei,
Daß die Art der Geschäfte zweierlei sey:
Die einen sind die eiligen,
Die andern die langweiligen.
Auf jene pfleg' ich
Die andern können liegen bleiben.
Die Liegenden aber, geehrte Brüder,
Zerfallen in wicht'ge und in höchstwicht'ge wieder.
Bei jenen — nun — man wird verwegen,
Man schreibt nach amtlichem Ueberlegen
More solito hier, und dort ad acta,
Die Diener rennen, man flucht, verpakt da,
Der Staat florirt und bleibt im Takt da.
Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,
Wild umzuspringen mit den Begriffen,
Kommt gar, wie heute, ein Fall, der eilig
Und doch höchstwichtig zugleich — dann freilich
Muß man von neuem unterscheiden:
Ob er mehr eilig oder mehr wichtig. —
Ich bitte, meine Herrn, verstehn sie mich richtig!
Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeiden
Die
Find't sich der Fall mehr eilig als liegend.
Ist aber das Wichtige überwiegend,
Wäre die Eile am unrechten Ort.
Meine Herren, sie haben nun die Prämissen,
Sie werden den Beschluß zu finden wissen.