Skip to content
1809

Der Fromme

Joseph von Eichendorff

Es saß ein Kind gebunden und gefangen, Wo vor der Menschen eitlem Tun und Schallen Der Vorzeit Wunderlaute trüb verhallen; Der alten Heimat dacht es voll Verlangen.

Da sieht es draußen Ströme, hell ergangen, Durch zaubrisch Land viel Pilger, Sänger wallen, Kühl rauscht der Wald, die lust'gen Hörner schallen, Aurora scheint, so weit die Blicke langen. –

O laß die Sehnsucht ganz dein Herz durchdringen! So legt sich blühend um die Welt dein Trauern Und himmlisch wird dein Schmerz und deine Sorgen. Ein frisch Gemüt mag wohl die Welt bezwingen,

Ein recht Gebet bricht Banden bald und Mauern: Und frei springst du hinunter in den Morgen. Willkommen, Liebchen, denn am Meeresstrande! Wie rauschen lockend da ans Herz die Wellen

Und tiefe Sehnsucht will die Seele schwellen, Wenn andre träge schlafen auf dem Lande. So walte Gott! – ich lös des Schiffleins Bande, Wegweiser sind die Stern, die ewig hellen,

Viel Segel fahren da und frisch' Gesellen Begrüßen uns von ihrer Schiffe Rande. Wir sitzen still, gleich Schwänen zieht das Segel, Ich schau in deiner Augen lichte Sterne,

Du schweigst und schauerst heimlich oft zusammen. Blick auf! Schon schweifen Paradiesesvögel, Schon wehen Wunderklänge aus der Ferne, Der Garten Gottes steigt aus Morgenflammen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Fromme · Joseph von Eichendorff · Poetry Cove