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1811

1.

Joseph von Eichendorff

Denk ich, du Stille, an dein ruhig Walten, An jenes letzten Abends rote Kühle, Wo ich die teure Hand noch durfte halten: Steh ich oft sinnend stille im Gewühle,

Und, wie den Schweizer heim'sche Alphornslieder Auf fremden Bergen, fern den Freunden allen, Oft unverhofft befallen, Kommt tiefe Sehnsucht plötzlich auf mich nieder.

Ich hab es oft in deiner Brust gelesen: Nie hast du recht mich in mir selbst gefunden, Fremd blieb, zu keck und treibend dir mein Wesen, Und so bin ich im Strome dir verschwunden.

O nenn drum nicht die schöne Jugend wilde, Die mit dem Leben und mit seinen Schmerzen Mag unbekümmert scherzen, Weil sie die Brust reich fühlt und ernst und milde!

Getrennt ist längst schon unsres Lebens Reise, Es trieb mein Herz durch licht' und dunkle Stunden. Dem festern Blick erweitern sich die Kreise, In Duft ist jenes erste Reich verschwunden –

Doch, wie die Pfade einsam sich verwildern, Was ich seitdem, von Lust und Leid bezwungen, Geliebt, geirrt, gesungen: Ich knie vor dir in all den tausend Bildern.

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