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1797–1848

Sonntag .

Annette von Droste-Hülshoff

Das ist nun so ein schlimmer Tag, Wie der April ihn bringen mag Mit Schlacken, Schnee und Regen. Zum drittenmal in das Gebraus

Streckt Jungfer Anne vor dem Haus Ihr kupfern Blendlaternchen aus, Und späht längs allen Wegen. „wo nur der Pfarrer bleiben kann?

Ach, sicher ist dem guten Mann Was über'n Weg gefahren! Ein Pfleger wohl, der Rechnung macht. — Aus war der Gottesdienst um acht:

Soll man so streifen in der Nacht Bei Gicht und grauen Haaren!“ Sie schließt die Thüre, schüttelt baß Ihr Haupt und wischt am Brillenglas;

So gut dünkt ihr die Stube; Im Ofen kracht's, der Lampenschein Hellt über'm Tisch den Sonntagswein, Und lockend lädt der Sessel ein

Mit seiner Kissengrube. Pantoffeln, — Schlafrock, — alles recht! Sie horcht auf's neu; doch hört sie schlecht, Es schwirrt ihr vor den Ohren.

„wie? hat's geklingelt? ei der Daus, Zum Zweitenmale! schnell hinaus!“ Da tritt der Pfarrer schon in's Haus, Ganz blau und steif gefroren.

Die Jungfrau blickt ein wenig quer, Begütigend der Pfarrer her, Wie's recht in diesem Orden. Dann hustet er. „Nicht Mond noch Stern!

Der lahme Friedrich hört doch gern Ein christlich Wort am Tag des Herrn, Es ist mir spät geworden!“ Nun sinkt er in die Kissen fest,

Wirft ab die Kleider ganz durchnäßt, Und schlürft der Traube Segen. Ach Gott! nur wer jahraus, jahrein In And'rer Dienste lebt allein,

Weiß was es heißt, bei'm Sonntagswein Sich auch ein wenig pflegen.

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