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1797–1848

Poesie.

Annette von Droste-Hülshoff

Frägst du mich im Räthselspiele, Wer die zarte lichte Fey, Die sich drei Kleinoden gleiche Und ein Stral doch selber sey?

Ob ichs rathe? ob ich fehle? Liebchen, pfiffig war ich nie, Doch in meiner tiefsten Seele Hallt es: das ist Poesie!

Jener Stral der, Licht und Flamme, Keiner Farbe zugethan, Und doch, über Alles gleitend Tausend Farben zündet an,

Jedes Recht und Keines Eigen. — Die Kleinode nenn' ich dir: Den Türkis, den Amethisten, Und der Perle edle Zier.

Poesie gleicht dem Türkise, Dessen frommes Auge bricht, Wenn verborgner Säure Brodem Nahte seinem reinen Licht;

Dessen Ursprung Keiner kündet, Der wie Himmelsgabe kam, Und des Himmels milde Bläue Sich zum milden Zeichen nahm.

Und sie gleicht dem Amethisten, Der sein veilchenblau Gewand Läßt zu schnödem Grau erblassen An des Ungetreuen Hand;

Der, gemeinen Götzen fröhnend, Sinkt zu niedren Steines Art, Und nur Einer Flamme dienend Seinen edlen Glanz bewahrt;

Gleicht der Perle auch, der zarten, Am Gesunden thauig klar, Aber saugend, was da Krankes In geheimsten Adern war;

Sahst du niemals ihre Schimmer Grünlich, wie ein modernd Tuch? Eine Perle bleibt es immer, Aber die ein Siecher trug.

Und du lächelst meiner Lösung, Flüsterst wie ein Widerhall: Poesie gleicht dem Pokale Aus venedischem Kristall;

Gift hinein — und schwirrend singt er Schwanenliedes Melodie, Dann in tausend Trümmer klirrend, Und hin ist die Poesie!

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