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1797–1848

Meine Todten.

Annette von Droste-Hülshoff

Wer eine ernste Fahrt beginnt, Die Muth bedarf und frischen Wind, Er schaut verlangend in die Weite Nach eines treuen Auges Brand,

Nach einem warmen Druck der Hand, Nach einem Wort, das ihn geleite. Ein ernstes Wagen heb' ich an, So tret' ich denn zu euch hinan,

Ihr meine stillen strengen Todten; Ich bin erwacht an eurer Gruft, Aus Wasser, Feuer, Erde, Luft, Hat eure Stimme mir geboten.

Wenn die Natur in Hader lag, Und durch die Wolkenwirbel brach Ein Funke jener tausend Sonnen, — Sprecht aus der Elemente Streit

Ihr nicht von einer Ewigkeit Und unerschöpften Lichtes Bronnen? Am Hange schlich ich, krank und matt, Da habt ihr mir das welke Blatt

Mit Warnungsflüstern zugetragen, Gelächelt aus der Welle Kreis, Habt aus des Angers starrem Eis Die Blumenaugen aufgeschlagen.

Was meine Adern muß durchziehn, Sah ich's nicht flammen und verglühn, An eurem Schreine nicht erkalten? Vom Auge hauchtet ihr den Schein,

Ihr meine Richter, die allein In treuer Hand die Wage halten. Kalt ist der Druck von eurer Hand, Erloschen eures Blickes Brand,

Und euer Laut der Oede Odem, Doch keine andre Rechte drückt So traut, so hat kein Aug' geblickt, So spricht kein Wort, wie Grabesbrodem!

Ich fasse eures Kreuzes Stab, Und beuge meine Stirn hinab Zu eurem Gräserhauch, dem stillen, Zumeist geliebt, zuerst gegrüßt,

Laßt, lauter wie der Aether fließt, Mir Wahrheit in die Seele quillen.

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