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1797–1848

Iv .

Annette von Droste-Hülshoff

Jüngst stand ich unter den Föhren am See, Meinen Büchsenspanner zur Seite. Vom Hange schmählte das brünstige Reh, Und strich durch des Aufschlags Breite;

Ich hörte es knistern so nah und klar, Grad' wo die Lichtung verdämmert, Daß mich gestöret der Holzwurm gar, Der unter'm Fuße mir hämmert.

Dann sprang es ab, es mochte die Luft Ihm unsre Witterung tragen; „herr,“ sprach der Bursche: „links über die Kluft! Wir müssen zur Linken uns schlagen!

Hier naht kein Wild, wo sie eingescharrt Die tolle Gertrud vom Gestade, Ich höre genau wie der Holzwurm pocht In ihrer zerfallenden Lade.“

Zur Seite sprang ich, eisig durchgraut, Mir war als hab ich gesündigt, Indeß der Bursch mit flüsterndem Laut Die schaurige Mähre verkündigt:

„wie Jene gesucht, bei Tag und Nacht, Nach dem fremden ertrunkenen Weibe, Das ihr der tückische See gebracht, Verloren an Seele und Leibe.

Ob ihres Blutes? man wußte es nicht! Kein Fragen löste das Schweigen. Doch schlief die Welle, dann sah ihr Gesicht Man über den Spiegel sich beugen,

Und zeigte er ihr das eigene Bild, Dann flüsterte sie beklommen: „wie alt sie sieht, wie irre und wild, Und wie entsetzlich verkommen!“

„doch wenn der Sturm die Woge gerührt, Dann war sie vom Bösen geschlagen, Was sie für bedenkliche Reden geführt, Das möge er lieber nicht sagen.

So war sie gerannt vor Jahresfrist, — Man sah's vom lavirenden Schiffe — Zur Brandung, wo sie am hohlsten ist, Und kopfüber gefahren vom Riffe.

Drum scharrte man sie in's Dickicht dort, Wie eine verlorene Seele.“ Ich schwieg, und sandte den Burschen fort, Brach mir vom Grab' eine Schmehle:

„du armes gehetztes Wild der Pein, Wie mögen die Menschen dich richten!“ — Sacht pochte der Käfer im morschen Schrein, Der Mond stand über den Fichten. —

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