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1797–1848

Im Grase .

Annette von Droste-Hülshoff

Süße Ruh, süßer Taumel im Gras, Von des Krautes Arom umhaucht, Tiefe Fluth, tief, tieftrunkne Fluth, Wenn die Wolk’ am Azure verraucht,

Wenn auf’s müde, schwimmende Haupt Süßes Lachen gaukelt herab, Liebe Stimme säuselt, und träuft Wie die Lindenblüth’ auf ein Grab.

Wenn im Busen die Todten dann, Jede Leiche sich streckt und regt, Leise, leise den Odem zieht, Die geschlossne Wimper bewegt,

Todte Lieb’, todte Lust, todte Zeit, All’ die Schätze, im Schutt verwühlt, Sich berühren mit schüchternem Klang Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt.

Stunden, flüchtiger ihr als der Kuß Eines Strahls auf den trauernden See, Als des ziehenden Vogels Lied, Das mir niederperlt aus der Höh’,

Als des schillernden Käfers Blitz, Wenn den Sonnenpfad er durcheilt, Als der flücht’ge Druck einer Hand, Die zum letzten Male verweilt.

Dennoch, Himmel, immer mir nur, Dieses Eine nur: für das Lied Jedes freien Vogels im Blau Eine Seele, die mit ihm zieht,

Nur für jeden kärglichen Strahl Meinen farbigschillernden Saum, Jeder warmen Hand meinen Druck, Und für jedes Glück einen Traum.

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