Skip to content
1797–1848

IiI .

Annette von Droste-Hülshoff

Zu Cöln am Rheine kniet ein Weib Am Rabensteine unter'm Rade, Und über'm Rade liegt ein Leib, An dem sich weiden Kräh' und Made;

Zerbrochen ist sein Wappenschild, Mit Trümmern seine Burg gefüllt, Die Seele steht bei Gottes Gnade. Den Leib des Fürsten hüllt der Rauch

Von Ampeln und von Weihrauchschwehlen — Um seinen qualmt der Moderhauch Und Hagel peitscht der Rippen Höhlen; Im Dome steigt ein Trauerchor,

Und ein Tedeum stieg empor Bei seiner Qual aus tausend Kehlen. Und wenn das Rad der Bürger sieht, Dann läßt er rasch sein Rößlein traben,

Doch eine bleiche Frau die kniet, Und scheucht mit ihrem Tuch die Raben: Um sie mied er die Schlinge nicht, Er war ihr Held, er war ihr Licht —

Und ach, der Vater ihrer Knaben!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
IiI . · Annette von Droste-Hülshoff · Poetry Cove