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1797–1848

Ii .

Annette von Droste-Hülshoff

Wie dämmerschaurig ist der Wald An neblichten Novembertagen, Wie wunderlich die Wildniß hallt Von Astgestöhn und Windesklagen!

„horch, Knabe, war das Waffenklang?“ — „nein, gnäd'ger Herr! ein Vogel sang, Von Sturmesflügeln hergetragen.“ — Fort trabt der mächtige Prälat,

Der kühne Erzbischof von Cöllen, Er, den der Kaiser sich zum Rath Und Reichsverweser mochte stellen, Die ehrne Hand der Clerisey, —

Zwei Edelknaben, Reis'ger zwei, Und noch drei Aebte als Gesellen. Gelassen trabt er fort, im Traum Von eines Wunderdomes Schöne,

Auf seines Rosses Hals den Zaum, Er streicht ihm sanft die dichte Mähne, Die Windesodem senkt und schwellt; — Es schaudert, wenn ein Tropfen fällt

Von Ast und Laub, des Nebels Thräne. Schon schwindelnd steigt das Kirchenschiff, Schon bilden sich die krausen Zacken — Da, horch, ein Pfiff und hui, ein Griff,

Ein Helmbusch hier, ein Arm im Nacken! Wie Schwarzwildrudel bricht's heran, Die Aebte fliehn wie Spreu, und dann Mit Reisigen sich Reis'ge packen.

Ha, schnöder Straus! zwei gegen zehn! Doch hat der Fürst sich losgerungen, Er peitscht sein Thier und mit Gestöhn Hat's über'n Hohlweg sich geschwungen;

Die Gerte pfeift — „Weh, Rinkerad!“ — Vom Rosse gleitet der Prälat Und ist in's Dickicht dann gedrungen. „hussah, hussah, erschlagt den Hund,

Den stolzen Hund!“ und eine Meute Fährt's in den Wald, es schließt ein Rund, Dann vor — und rückwärts und zur Seite; Die Zweige krachen — ha es naht —

Am Buchenstamm steht der Prälat Wie ein gestellter Eber heute. Er blickt verzweifelnd auf sein Schwert, Er löst die kurze breite Klinge,

Dann prüfend unter'n Mantel fährt Die Linke nach dem Panzerringe; Und nun wohlan, er ist bereit, Ja männlich focht der Priester heut,

Sein Streich war eine Flammenschwinge. Das schwirrt und klingelt durch den Wald, Die Blätter stäuben von den Eichen, Und über Arm und Schädel bald

Blutrothe Rinnen tröpfeln, schleichen; Entwaffnet der Prälat noch ringt, Der starke Mann, da zischend dringt Ein falscher Dolch ihm in die Weichen.

Ruft Isenburg: „es ist genug, Es ist zuviel!“ und greift die Zügel; Noch sah er wie ein Knecht ihn schlug, Und riß den Wicht am Haar vom Bügel.

„es ist zuviel, hinweg, geschwind!“ Fort sind sie, und ein Wirbelwind Fegt ihnen nach wie Eulenflügel. — — Des Sturmes Odem ist verrauscht,

Die Tropfen glänzen an dem Laube, Und über Blutes Lachen lauscht Aus hohem Loch des Spechtes Haube; Was knistert nieder von der Höh'

Und schleppt sich wie ein krankes Reh? Ach armer Knabe, wunde Taube! „mein gnädiger, mein lieber Herr, So mußten dich die Mörder packen?

Mein frommer, o mein Heiliger!“ Das Tüchlein zerrt er sich vom Nacken, Er drückt es auf die Wunde dort, Und hier und drüben, immerfort,

Ach, Wund' an Wund' und blut'ge Zacken! „ho, hollah ho!“ — dann beugt er sich Und späht, ob noch der Odem rege; War's nicht als wenn ein Seufzer schlich,

Als wenn ein Finger sich bewege? — „ho, hollah ho!“ — „Halloh, hoho!“ Schallt's wieder um, deß war er froh: „sind unsre Reuter allewege!“

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