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1797–1848

Ii .

Annette von Droste-Hülshoff

Wie rollt in den Gassen das Marktgebraus! Welch ein Getümmel, Geblitze! Hanswurst schaut über die Bude hinaus, Und winkt mit der klingelnden Mütze;

Karossen rasseln, der Trinker jucht, Und Mädchen schrein im Gedränge, Drehorgeln pfeifen, der Kärrner flucht, O Babels würdige Klänge!

Da tritt ein Weib aus der Ladenthür, Eine schlichte Frau von den Flühen, Die stieß an den klingelnden Harlekin schier, Und hat nicht gelacht noch geschrien.

Ihr mattes Auge sucht auf dem Grund, Als habe sie Etwas verloren, Und hinter ihr trabt ein zottiger Hund, Verdutzt, mit hängenden Ohren.

„zurück, Verwegne! siehst du denn nicht Den Wagen, die schnaubenden Braunen?“ Schon dampfen die Nüstern ihr am Gesicht, Da fährt sie zurück mit Staunen,

Und ist noch über die Rinne grad Mit raschem Sprunge gewichen, Als an die Schürze das klirrende Rad In wirbelndem Schwunge gestrichen.

Noch ein Moment, — sie taumelt, erbleicht, Und dann ein plötzlich Erglühen, O schau, wie durch das Gewühl sie keucht, Mit Armen und Händen und Knieen!

Sie rudert, sie windet sich, — Stoß auf Stoß, Scheltworte und Flüche wie Schlossen — Das Fürtuch reißt, dann flattert es los, Und ist in die Rinne geflossen.

Nun steht sie vor einem stattlichen Haus, Ohne Schuh, besudelt mit Kothe; Dort hält die Karosse, dort schnauben aus Die Braunen und rauchen wie Schlote.

Der Schlag ist offen, und eben sieht Sie im Portale verschwinden Eines Kleides Falte, die purpurn glüht, Und den Schleyer, segelnd in Winden.

„ach“ flüstert Gertrude, „was hab ich gemacht, Ich bin wohl verrückt geworden! Kein Trost bei Tag, keine Ruh bei Nacht, Das kann die Sinne schon morden.“

Da poltert es schreiend die Stiegen hinab, Ein Fußtritt aus dem Portale, Und wimmernd rollt von der Rampe herab Ihr Hund, der zottige, fahle.

„ja“ seufzt Gertrude, „nun ist es klar, Ich bin eine Irre leider!“ Erglühend streicht sie zurück ihr Haar, Und ordnet die staubigen Kleider.

„wie sah ich so deutlich ihr liebes Gesicht, So deutlich am Schlage doch ragen! Allein in Ewigkeit hätte Den armen Fidel geschlagen.“

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