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1797–1848

Ii .

Annette von Droste-Hülshoff

Und als das Morgengrau In die Kemnate sich stahl: Da hatte die werthe Frau Geseufzt schon manches Mal;

Manch Mal gerungen die Hand, Ganz heimlich wie ein Dieb; Roth war ihrer Augen Rand, Todtblaß ihr Antlitz lieb.

Drei Tage kredenzt' sie den Wein, Und saß bei'm Mahle drei Tag', Drei Nächte in steter Pein In der Waldkapelle sie lag.

Wenn er die Wacht besorgt, Der Thorwart sieht sie gehn, Im Walde steht und horcht Der Wilddieb dem Gestöhn'.

Am vierten Abend sie saß An ihres Herren Seit', Sie dreht' die Spindel, er las, Dann sahn sie auf, alle beid'.

„allgund, bleich ist dein Mund!“ „„Herr, 's macht der Lampe Schein.““ „deine Augen sind roth, Allgund!“ „„'S drang Rauch vom Heerde hinein.““

„„Auch macht mir's schlimmen Muth, „„Daß heut vor fünfzehn Jahren „„Ich sah meines Vaters Blut; „„Gott mag die Seele wahren!““

„„Lang ruht die Mutter im Dom, „„Sind Wen'ge mir verwandt, „„Ein' Muhm' noch und ein Ohm: „„Sonst ist mir keins bekannt.““

Starr sah der Graf sie an: „es steht dem Weibe fest, „daß um den ehlichen Mann „sie Ohm und Vater läßt.“

„„Ja, Herr! so muß es seyn. „„Ich gäb' um Euch die zweie, „„Und mich noch obendrein, „„Wenn's seyn müßt', ohne Reue.““

„„Doch daß nun dieser Tag „„Nicht gleich den andern sey, „„Les't, wenn ich bitten mag, „„Ein Sprüchlein oder zwei.““

Und als die Fraue klar Darauf das heil'ge Buch Bot ihrem Gatten dar, Es auf von selber schlug.

Mit Einem Blicke er maß Der nächsten Sprüche einen; „mein ist die Rach'“, er las; Das will ihm seltsam scheinen.

Doch wie so fest der Mann Auf Frau und Bibel blickt, Die saß so still und spann, Dort war kein Blatt geknickt.

Um ihren schönen Leib Den Arm er düster schlang: „so nimm die Laute, Weib, „sing' mir einen lust'gen Sang!“

„„O Herr! mag's euch behagen, „„Ich sing' ein Liedlein werth, „„Das erst vor wenig Tagen „„Mich ein Minstrel gelehrt.““

„„Der kam so matt und bleich, „„Wollt' nur ein wenig ruh'n, „„Und sprach, im oberen Reich „„Sing' man nichts Anderes nun.““

Drauf, wie ein Schrei verhallt, Es durch die Kammer klingt, Als ihre Finger kalt Sie an die Saiten bringt.

„johann! Johann! was dachtest du „an jenem Tag, „als du erschlugst deine eigne Ruh' „mit Einem Schlag?

„verderbtest auch mit dir zugleich „deine drei Gesellen; „o, sieh nun ihre Glieder bleich „am Monde schwellen!

„weh dir, was dachtest du Johann „zu jener Stund'? „nun läuft von dir verlornem Mann „durch's Reich die Kund'!

„ob dich verbergen mag der Wald, „dich wird's ereilen; „horch nur, die Vögel singen's bald, „die Wölf' es heulen!

„o weh! das hast du nicht gedacht, „johann! Johann! „als du die Rache wahr gemacht „am alten Mann.

„und wehe! nimmer wird der Fluch „mit dir begraben, „dir, der den Ohm und Herrn erschlug, „johann von Schwaben!“

Aufrecht die Fraue bleich Vor ihrem Gatten stand, Der nimmt die Laute gleich, Er schlägt sie an die Wand.

Und als der Schall verklang, Da hört man noch zuletzt, Wie er die Hall' entlang Den zorn'gen Fußtritt setzt.

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