Mittagsstunde, — der Sonnenpfeil Prallt an des Weihen Gefieder, Der vom Gesteine grau und steil Blinzt in die Pinien nieder.
Schwarz der Wald, eine Wetternacht, Die aus dem Aether gesunken, Drüber der Stral in Siegespracht Tanzt auf dem Feinde wie trunken.
Plötzlich zuckt, es flattert der Weih, Und klatscht in taumelnden Ringen, Ueber'm Riffe sein wilder Schrei, Dann steigt er, wiegend die Schwingen;
Und am Grunde es stampft und surrt, Hart unter dem Felsenmaale, Netz im Haare, Pistol im Gurt, Zwölf Schergen reiten zu Thale.
Wo den Schatten verkürzt das Riff Wirft über die zitternde Aue, Starrt gefesselt der rothe Jocliffe Hinauf zum Vogel in's Blaue.
Dürr seine Zunge, — kein Tropfen labt — Er lacht in grimmigem Hohne, Neben ihm der Podesta trabt Und pfeift sich eine Canzone.
Rüstig stampfen die Rosse fort, Dann „halt!“ Es lagert die Bande; Hier ein Scherge, ein anderer dort, Gestreckt im knisternden Sande.
Die Cigarre läßt an den Grund Ihr bläuliches Wölkchen schwehlen, Und der Schlauch, von Mund zu Mund, Strömt in die durstigen Kehlen.
Wie so lockend die Taube lacht Aus grünem duftigem Haine! Von den Zwölfen heben sich acht, Sie schlendern entlang das Gesteine,
Lässig, spielend, so sorgenbaar Wie junge Geier im Neste, Einer so nach dem andern schwankt In's Grün' aus der sengenden Hitze,
Halt! wie elektrisch Feuer rankt Von Aug' zu Aug' ein Geblitze. Horch, sie flüstern! Zwei und zwei Die Pinien streifen sie leise,
Wie die Hinde witternd und scheu Schlüpft über befahrene Gleise. Zwei am Hange und zwei hinab Und vier zur Rechten und Linken,
Sachte beugen den Ast sie ab, Ihre Augen wie Vipern blinken, Da — im Moose ein dürrer Baum Mit wunderlich brauner Schale, —
Hui! ein Pfiff auf gekrümmtem Daum, — Und dort — und drunten im Thale. Fährt vom Moose Geronimo, Und eh ihn die Schergen umschlingen,
Wie im Haid die knisternde Loh', Ha! sieh ihn flattern und springen! Knall auf Knall, eine Kugel pfeift Ihm durch der Retilla Knoten,
Blutend er an dem Gesteine läuft Bis zum Jocliffe, dem rothen. Hoch die Rechte — will er schnell Sich rächen zu dieser Stunde?
Nein, am Rosse schreibt das Cartel Er rasch mit klaffender Wunde. Hoch die Linke — es knallt, es blitzt, Und taumelnd sinkt der Podesta;
Ruft der Corse: „so hab' es itzt, Du Hund, für den kühnen di Vesta!“ O Geronimo! hätten dich fort, Fort, fort deine Sprünge getragen,
Als die Einen am Riffe dort, Die Andern klommen am Hagen! Schwerlich heute, so mein' ich klar, Sie würden die Stadt erschrecken
Mit der Leiche auf grüner Bahr' Und mit dir, gebunden am Schecken!
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