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1797–1848

I .

Annette von Droste-Hülshoff

Ja, einen Feind hat der Cors', den Hund, Luigi, den hagern Podesta, Der den Ohm, so stark und gesund, Ließ henken, den kühnen di Vesta.

Er und der rothe Franzose Jocliffe, Die Beiden machten ihn hangen, Aber der ging zu dem Schmugglerschiff, Und liegt seit Monden gefangen.

Steht im Walde Geronimo, Und klirrend zieht aus der Scheide Er das Messer, so und so An der Sohle wetzt er die Schneide;

Gleitet dann in die Dämmerung, Dem Feinde auf Tod und Leben Mit des Thieres Verstümmelung Ein corsisch Cartel zu geben.

Schau! wie Zweig an Zweige er streicht, — Kaum flüsternd die Blätter schwanken, — Gleich der gleißenden Boa leicht Hinquillt durch Gelaub und Ranken;

Drüber träufelt das Mondenlicht, Wie heimlicher Thräne Klage Durch eine dunkele Wimper bricht. Nun kniet der Corse am Haage.

Dort der Anger, — und dort am Hang Die einsam weidende Stute, Langsam schnaubt sie den Rain entlang; Aus andalusischem Blute,

Hoch, schneeschimmernd, zum Grund gebeugt Den mähnumflutheten Nacken, Nah sie, näher dem Hagen steigt. Nun wird der Corse sie packen!

Schon erfaßt er der Schneide Griff, Er reckt sich über dem Kraute, Da — ein Geknister und — still! ein Pfiff, Und wieder — summende Laute!

Und es schreitet dem Hage zu, Grad wo Geronimo knieet, Nieder gleitet der Cors' im Nu, Ha, wie er keuchet und glühet!

Dicht an ihm, — der Mantel streift, Die Ferse könnt' er ihm fassen, — Steht der hagre Podest' und pfeift; „sorella! ruft er gelassen,

Und „Sorella, mein kluges Thier!“ Der Lauscher höret es stampfen, Ueber ihm, mit hellem Gewieh'r, Zwei schnaubende Nüstern dampfen.

Freundlich klatscht Luigi den Bug, Liebkosend streicht er die Mähnen, Hat nicht zärtlicher Worte genug, Er spricht wie zu seiner Schönen.

Einen Blitz aus glühendem Aug', Und rückwärts taumelt die Stute. „ei, Sorella, was fehlt dir auch? Mein Töchterchen, meine Gute.“

Candiszucker langt er hervor; Ha, wie ihre Nüstern blasen! Wie sie naschet, gespitzt das Ohr, Und immer glotzet zum Rasen!

Einen Blick der Podesta scheu Schießt über die glitzernde Aue, Rückt am Dolche, und dann aufs neu: „mein Schimmelchen, meine Graue!“

Wie er über den Hag sich biegt, Am Nacken des Thieres gleitet, Auf Geronimo's Auge liegt Des Feindes Mantel gebreitet;

O, nie hat so heiß und schwer Geronimo, nie gelegen, Jede Muskel im Arm fühlt er Wie eine Viper sich regen.

Doch er ist ein gläubiger Christ, Geht jede Woche zur Beichte, Hat voll Andacht noch heut geküßt Christofero's heilige Leuchte.

Sünde wär's, das Messer im Schlund Des Ungewarnten zu bergen, Sonst — alleine, allein der Hund! Bewaffnet, und ohne Schergen!

Eine Minute, die schnell vergeht, Der Corse gen Himmel schaute, Zum Patrone ein Stoßgebet, Dann fährt er empor vom Kraute;

Blank die Waffe, den Bug geschlitzt, Dann wie ein Vogel zum Walde — Schreiend vom Hange die Stute blitzt, Der Richter starrt an der Halde.

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