Das war der Graf von Thal,
So ritt an der Felsenwand;
Das war sein ehlich Gemahl,
Die hinter dem Steine stand.
Sie schaut' im Sonnenstral
Hinunter den linden Hang,
„wo bleibt der Graf von Thal?
„ich hört' ihn doch reiten entlang!“
„ob das ein Hufschlag ist?
„vielleicht ein Hufschlag fern?
„ich weiß doch wohl ohne List,
„ich hab' gehört meinen Herrn!“
Sie bog zurück den Zweig.
„bin blind ich oder auch taub?“
Sie blinzelt' in das Gesträuch,
Und horcht' auf das rauschende Laub.
Oed' war's, im Hohlweg leer,
Einsam im rispelnden Wald;
Doch über'm Weiher, am Wehr,
Da fand sie den Grafen bald.
In seinen Schatten sie trat.
Er und seine Gesellen,
Die flüstern und halten Rath,
Viel lauter rieseln die Wellen.
Sie starrten über das Land,
Genau sie spähten, genau,
Sahn jedes Zweiglein am Strand,
Doch nicht am Wehre die Frau.
Zur Erde blickte der Graf,
So sprach der Graf von Thal:
„seit dreizehn Jahren den Schlaf
„rachlose Schmach mir stahl.“
„war das ein Seufzer lind?
„gesellen, wer hat's gehört?“
Sprach Kurt: „Es ist nur der Wind,
„der über das Schilfblatt fährt.“ —
„so schwör' ich bei'm höchsten Gut,
„und wär's mein ehlich Weib,
„und wär's meines Bruders Blut,
„viel minder mein eigner Leib:“
„nichts soll mir wenden den Sinn,
„daß ich die Rache ihm spar';
„der Freche soll werden inn',
„zins tragen auch dreizehn Jahr'.“