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1797–1848

Erde.

Annette von Droste-Hülshoff

Röthliche Flöckchen ziehen Ueber die Berge fort, Und wie Purpurgewänder, Und wie farbige Bänder

Flattert es hier und dort In der steigenden Dämmrung Hort. Gleich einem Königsgarten, Den verlassen die Fürstin hoch —

Nur in der Kühle ergehen Und um die Beete sich drehen Flüsternd ein Paar Hoffräulein noch. Da des Himmels Vorhang sinkt,

Oeffnet sich der Erde Brust, Leise, leise Kräutlein trinkt, Und entschlummert unbewußt; Und sein furchtsam Wächterlein,

Würmchen mit dem grünen Schein, Zündet an dem Glühholz sein Leuchtchen klein. Der Gärtner, über die Blumen gebeugt,

Spürt an der Sohle den Thau, Gleich vom nächsten Halme er streicht Lächelnd die Tropfen lau; Geht noch einmal entlang den Wall,

Prüft jede Knospe genau und gut: „schlaft denn“, spricht er, „ihr Kindlein all, Schlafet! ich laß euch der Mutter Hut; Liebe Erde! mir sind die Wimpern schwer,

Hab' die letzte Nacht durchwacht, Breit Nimm

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Erde. · Annette von Droste-Hülshoff · Poetry Cove