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1797–1848

Die Vogelhütte.

Annette von Droste-Hülshoff

Ich habe mich gesetzt in Gottes Namen; Es hilft doch alles nicht, und mein Gedicht Ist längst gelesen und im Schloß die Damen, Sie saßen lange zu Gericht.

Statt einen neuen Lorbeerkranz zu drücken In meine Phöboslocken, hat man sacht Den alten losgezupft und hinter'm Rücken Wohl Eselsohren mir gemacht.

Verkannte Seele, fasse dich im Leiden, Sey stark, sey nobel, denk, der Ruhm ist leer, Das Leben kurz, es wechseln Schmerz und Freuden, Und was dergleichen Neugedachtes mehr!

Ich schau mich um in meiner kleinen Zelle: Für einen Klausner wär's ein hübscher Ort; Die Bank, der Tisch, das hölzerne Gestelle, Und an der Wand die Tasche dort;

Ein Netz im Winkelchen, ein Rechen, Spaten — Und Betten? nun, das macht sich einfach hier; Der Thimian ist heuer gut gerathen, Und blüht mir grade vor der Thür.

Die Waldung drüben — und das Quellgewässer — Hier möcht ich Haidebilder schreiben, zum Exempel: „die Vogelhütte“, nein — „der Heerd“, nein besser: „der Knieende in Gottes weitem Tempel.“

's ist doch romantisch, wenn ein zart Geriesel Durch Immortellen und Wachholderstrauch Umzieht und gleitet, wie ein schlüpfend Wiesel, Und drüber flirrt der Stöberrauch;

Wenn Schimmer wechseln, weiß und seladonen; Die weite Eb'ne schaukelt wie ein Schiff, Hindurch der Kibitz schrillt, wie Halcyonen Wehklagend ziehen um das Riff.

Am Horizont die kolossalen Brücken — Sind's Wolken oder ist's ein ferner Wald? Ich will den Schemel an die Luke rücken, Da liegt mein Hut, mein Hammer, — halt:

Ein Teller am Gestell! — was mag er bieten? Fundus! bei Gott, ein Fund das Backwerk drin! Für einen armen Hund von Eremiten, Wie ich es leider heute bin!

Ein seid'ner Beutel noch — am Bort zerrissen; Ich greife, greife Rundes mit der Hand; Weh! in die dürre Erbs' hab ich gebissen — Ich dacht', es seye Zuckerkand.

Und nun die Tasche! he, wir müssen klopfen — Vielleicht liegt ein Gefang'ner hier in Haft; Da — eine Flasche! schnell herab den Pfropfen — Ist's Wasser? Wasser? — edler Rebensaft!

Und Edlerer, der ihn dem Sack vertraute, Splendid barmherziger Wildhüter du, Für einen armen Schelm, der Erbsen kaute, Den frommen Bruder Tuck im Ivanhoe!

Mit dem Gekörn will ich den Kibitz letzen, Es aus der Lücke streun, wenn er im Flug Herschwirrt, mir auf die Schulter sich zu setzen, Wie man es lies't in manchem Buch.

Mir ist ganz wohl in meiner armen Zelle; Wie mir das Klausnerleben so gefällt! Ich bleibe hier, ich geh nicht von der Stelle, Bevor der letzte Tropfen fällt.

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