Skip to content
1822

Die Unbesungenen

Annette von Droste-Hülshoff

's gibt Gräber wo die Klage schweigt, Und nur das Herz von innen blutet, Kein Tropfen in die Wimper steigt, Und doch die Lava drinnen flutet;

's gibt Gräber, die wie Wetternacht An unserm Horizonte stehn Und alles Leben niederhalten, Und doch, wenn Abendrot erwacht,

Mit ihren goldnen Flügeln wehn Wie milde Seraphimgestalten. Zu heilig sind sie für das Lied, Und mächtge Redner doch vor allen,

Sie nennen dir was nimmer schied, Was nie und nimmer kann zerfallen; O, wenn dich Zweifel drückt herab, Und möchtest atmen Ätherluft,

Und möchtest schauen Seraphsflügel, Dann tritt an deines Vaters Grab! Dann tritt an deines Bruders Gruft! Dann tritt an deines Kindes Hügel!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Unbesungenen · Annette von Droste-Hülshoff · Poetry Cove