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1797–1848

Die Gaben.

Annette von Droste-Hülshoff

Nie fand, so oft auch scherzend ward gefragt, Ich einen Mann, vom Grafen bis zum Schneider, Der so bescheiden oder so betagt, So hülflos, keinen so Gescheiten leider,

Der nicht gemeint, des Herrscherthumes Bürde Sey seinen Schultern grad das rechte Maaß. War Einer zweifelnd je an seiner Würde, So schätzt er seine Kräfte desto baß,

Der hoffte auf der Rede Zauberbann; Schlau aus dem Winkel wollte Jener zielen, Kurz, daß er wisse wie und auch den Mann, Ließ Jeder deutlich durch die Blume spielen.

Ihr Thoren! glaubt ihr denn daß Gott im Zorne Die Großen schuf, ungleich der Menschenschaar, Hinstreckt wie weiland Nebukadnezar? Daß, weil zuweilen unter Zotten schlägt

Ein Herz wo große Elemente schlafen, Deßhalb wer eine feine Wolle trägt Unfehlbar zählt zu den Merinoschafen? Daß langes Schauen zweifellos erblinde,

Und wer den Fäden rastlos nachgespürt, Daß dieser, gleich dem überreizten Kinde, So dümmer wird je länger er studirt? Wer zweifelt, daß ein Herz wie's Throne schmückt

Gar oft am Acker fröhnt und Forstgehege, Daß manche Scheitel sich zur Furche bückt, Hochwerth daß eine Krone drauf man lege? Doch ihr des Lebens abgehetzte Alten,

Ihr innerliche Greise, seyd es nicht. Bewahr' der Himmel uns vor eurem Walten, Vor dem im Sumpfe angebrannten Licht! Ihr würdet mahnen an des Fröhners Sohn,

Der, woll' ihm Gott ein Königreich verschreiben, Für's Leben wüste keinen bessern Lohn, Als seine Schweine dann zu Roß zu treiben.

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