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1797–1848

Der Todesengel.

Annette von Droste-Hülshoff

's giebt eine Sage, daß wenn plötzlich matt' Unheimlich Schaudern Einen übergleite, Daß dann ob seiner künft'gen Grabesstatt Der Todesengel schreite.

Ich hörte sie, und malte mir ein Bild Mit Trauerlocken, mondbeglänzter Stirne, So schaurig schön, wie's wohl zuweilen quillt Im schwimmenden Gehirne.

In seiner Hand sah ich den Ebenstab Mit leisem Strich des Bettes Lage messen, — So weit das Haupt — so weit der Fuß — hinab! Verschüttet und vergessen!

Mich graute, doch ich sprach dem Grauen Hohn, Ich hielt das Bild in Reimes Netz gefangen, Und frevelnd wagt' ich aus der Todtenkron' Ein Lorbeerblatt zu langen.

O, manche Stunde denk ich jetzt daran, Fühl' ich mein Blut so matt und stockend schleichen, Schaut aus dem Spiegel mich ein Antlitz an — Ich mag es nicht vergleichen; —

Als ich zuerst dich auf dem Friedhof fand, Tiefsinnig um die Monumente streifend, Den schwarzen Ebenstab in deiner Hand Entlang die Hügel schleifend;

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Der Todesengel. · Annette von Droste-Hülshoff · Poetry Cove