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1838

Der kranke Aar

Annette von Droste-Hülshoff

Am dürren Baum, im fetten Wiesengras Ein Stier behaglich wiederkäut' den Fraß; Auf niederm Ast ein wunder Adler saß, Ein kranker Aar mit gebrochnen Schwingen.

„Steig auf, mein Vogel, in die blaue Luft, Ich schau dir nach aus meinem Kräuterduft.“ – „Weh, weh, umsonst die Sonne ruft Den kranken Aar mit gebrochnen Schwingen!“ –

„O Vogel warst so stolz und freventlich Und wolltest keine Fessel ewiglich!“ – „Weh, weh, zu viele über mich, Und Adler all, – brachen mir die Schwingen!“

„So flattre in dein Nest, vom Aste fort, Dein Ächzen schier die Kräuter mir verdorrt.“ „Weh, weh, kein Nest hab' ich hinfort, Verbannter Aar mit gebrochnen Schwingen!“

„O Vogel, wärst du eine Henne doch, Dein Nestchen hättest du, im Ofenloch.“ „Weh, weh, viel lieber ein Adler noch, Viel lieber ein Aar mit gebrochnen Schwingen!“

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