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1797–1848

Der Geyerpfiff.

Annette von Droste-Hülshoff

„nun still! — Du an den Dohnenschlag! Du links an den gespaltnen Baum! Und hier der faule Fetzer mag Sich lagern an der Klippe Saum:

Da seht fein offen über's Land Die Kutsche ihr heran spazieren: Und Rieder dort der Höllenbrand, Mag in den Steinbruch sich postiren!“

„dann aufgepaßt mit Aug' und Ohr, Und bei dem ersten Räderhall Den Eulenschrei! und tritt hervor Die Fracht, dann wiederholt den Schall:

Doch naht Gefahr — Patrouillen gehn, — Seht ihr die Landdragoner streifen, Dann dreimal, wie von Riffeshöhn, Laßt ihr den

„nun, Rieder, noch ein Wort zu dir: Mit Recht heißt du der Höllenbrand; Kein Stückchen — ich verbitt' es mir — Wie neulich mit der kalten Hand!“

Der Hauptmann spricht es; durch den Kreis Ein Rauschen geht und feines Schwirren, Als sie die Büchsen schultern leis, Und in den Gurt die Messer klirren.

Seltsamer Troß! hier Riesenbau Und hiebgespaltnes Angesicht, Und dort ein Bübchen wie 'ne Frau, Ein zierliches Spelunkenlicht;

Der drüben an dem Scheitelhaar So sachte streift den blanken Fänger, Schaut aus den blauen Augen gar Wie ein verarmter Minnesänger.

's ist lichter Tag! die Bande scheut Vor keiner Stunde — Alles gleich; — Es ist die rothe Bande, weit Verschrien, gefürchtet in dem Reich;

Das Knäbchen kauert unter'm Stier Und betet, raschelt es im Walde, Und manches Weib verschließt die Thür, Schreit nur ein Kukuk an der Halde.

Die Posten haben sich zerstreut, Und in die Hütte schlüpft der Troß — Wildhüters Obdach, zu der Zeit, Als jene Trümmer war ein Schloß:

Wie Ritter vor der Ahnengruft, Fühlt sich der Räuber stolz gehoben Am Schutte, dran ein gleicher Schuft Vor Jahren einst den Brand geschoben.

Und als der letzte Schritt verhallt, Der letzte Zweig zurück gerauscht, Da wird es einsam in dem Wald, Wo über'm Ast die Sonne lauscht;

Und als es drinnen noch geklirrt, Und noch ein Weilchen sich geschoben, Da still es in der Hütte wird, Vom wilden Weingerank umwoben.

Der scheue Vogel setzt sich kühn Auf's Dach und wiegt sein glänzend Haupt, Und summend durch der Reben Grün Die wilde Biene Honig raubt;

Nur leise wie der Hauch im Tann, Wie Weste durch die Halme streifen, Hört drinnen leise, leise man, Vorsichtig an den Messern schleifen. —

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